AUSSTELLUNGSKONZEPT

Das Gefängnis Neukölln im Hof des Amtgerichts ist trotz seiner zentralen Lage an der Karl-Marx-Straße bei den meisten Bewohnern Neuköllns unbekannt. Um zwei Innenhöfe gruppieren sich Büro- und Gefängniszellen. Besonders der zweite Gefängnishof hat eine spezielle Stimmung, die mit der Innenstadtlage stark kontrastiert.

Wie eine Insel, der eigentlichen Gesellschaft enthoben, spiegelt dieser Ort dennoch alle ihre Facetten. Solch ein Ort, von Foucault als Heterotopie gezeichnet, kann Kristallisationspunkt sein, an dem sich gesellschaftliche Funktionsweisen offenbaren.

Die Nutzarchitektur aus der Zeit der letzten Jahrhundertwende hat eine starke Ausstrahlung, die eine Haltung provoziert. Das Gefängnis ist ein Ort, in dem die Gesellschaft gleichzeitig repräsentiert und in Frage gestellt wird. Es ist ein Ort für den die Abwesenheit von Luxus programmatisch ist und somit auch ein Ort, an dem die Bedeutung, den Luxus für die Gesellschaft hat, besonders deutlich wird. Es ist in diesem Sinne Synthese und Antipode des Broadways, der ironische Spitznamen „Café Schönstedt“ bringt dies auf den Punkt!

Luxus Das Verhältnis zu Luxus ist ambivalent – ethisch wird er abgelehnt – repräsentiert er doch eine ganze Reihe negativer Charaktereigenschaften. Zugleich stellt er als Repräsentant von Wohlstand und Macht gesellschaftlich unser oberstes Ziel da. In einer Wohlstandsgesellschaft orientieren sich sämtliche gesell- schaftliche Bestrebungen und Differenzierungen am Luxus und weniger an existentiellen Notwendigkeiten. Luxus formuliert die Wünsche und Träume einer Gesellschaft.

Den Facetten, die sich aus der Ambivalenz des hier angerissenen Luxusbegriffs ergeben, gilt unsere ästhetische Forschung. Künstler aus unterschiedlichen Bereichen (Video, Sound, Malerei / Zeichnung, Skulptur und Performance) erarbeiten gemeinsam, vernetzt, im kontroversen Dialog die Präsentation ortsbezogener Arbeiten.

Dazu soll es eine Publikation geben die unsere Ergebnisse dokumentiert und mit zusätzlichen Beiträgen sozialwissenschaftlich flankiert. Hierfür wollen wir Sozialwissenschaftler die im Bereich kulturelle Studien, Stadtraum und Quartiersentwicklung arbeiten, gewinnen.

 

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