Im Sinne einer sozialen Topologie erfolgt die Konstruktion von Raum exemplarisch am Institut selbst, welches sich über die Beteiligung einzelner Akteure konstituiert.
Ziel des Institutes ist, Kunst und Wissenschaft anhand von Vorträgen, Ausstellungen und Publikationen zu vernetzen und einen übergreifenden Dialog anzustoßen.
Erforschen von Raumbegriffen findet auch im virtuellen Raum als Diskussions- und Forschungsplattform via Webforum statt, um so interdisziplinär Mechanismen und Dimensionen von Kulturraum auszuloten.
„ Jeder typische Raum wird durch typische gesellschaftliche Verhältnisse zustande gebracht, die sich ohne die störende Dazwischenkunft des Bewusstseins in ihm ausdrücken. Alles vom Bewusstsein verleugnete, alles, was sonst geflissentlich übersehen wird, ist an seinem Aufbau beteiligt. Die Raumbilder sind die Träume der Gesellschaft. Wo immer die Hieroglyphe irgendeines Raumbildes entziffert ist, dort bietet sich der Grund der sozialen Wirklichkeit dar.“ (Siegfried Kracauer: Über Arbeitsnachweise 1929)
Das Institut ist keine Institution, sondern konstituiert sich über die Beteiligung einzelner Akteure – von der Basis ausgehend, nicht autoritär oder elitär. Es schafft den Raum, um über Raum zu forschen. Es untersucht kulturelle Bedingungen auf der Schnittstelle zwischen den Disziplinen, agiert auf den Ebenen von Wissenschaft und Kunst.
Raum wird hier begriffen als eine gesellschaftliche Dimension im Sinne eines psychischen (mental mapping), physischen und diskursiven kulturellen Raums. Er ist das Koordinatensystem für Positionierung, für Aktion, für unser Leben. Die Verortung in ein Gefüge, in einen überschaubaren Raum, ist Basis für Orientierung und zielgerichtete Bewegung.
„Der Raum zählt zu den Grunddimensionen menschlichen Lebens, mit denen sich jede Kultur auseinanderzusetzen hat. Dies bedeutet: zu jedem kulturellen Selbstversicherungsprozeß gehört die sinnstiftende Organisation der räumlichen Umwelt. (…) Menschen und Kulturen interpretieren und bewerten ihre räumliche Umwelt, sie entwerfen eine Raumordnung, d. h. Ein Netzwerk räumlich – kultureller Identitäten.“ (Andreas Ramin: Symbolische Raumorientierung und kulturelle Identität: Leitlinien der Entwicklung in erzählenden Texten vom Mittelalter bis zur Neuzeit, 1994)
Raum ist ein Ort, der definiert werden muss. Der Ort ist die Ordnung, nach der Elemente in Koexistenzbeziehungen aufgeteilt sind. Er ist damit eine statische Größe, der Raum ist die zeitliche, kulturelle Dimension, die den Ort definiert. Demnach hat jede Kultur ihren eigenen Raum, den sie für sich bestimmt, erschließt und wahrnimmt. Die Zeit, die vergeht, manifestiert sich in Erinnerungen, Erinnerungen generieren Geschichte, die als Bestandteil jeder kulturellen Identität lebt und prägt. Kulturelle Identitätsbildung erfährt eine neue Herausforderung, wenn der kulturelle Raum nicht mehr regional abgrenzbar ist.

Recent Comments