Grundsteinlegung ohne Stein und Grund
June 14, 2010 in News, Raumforschung by milla
Es handelt sich um eine interaktive Performance, in welcher der Besucher anhand vorhandener Requisiten seinen eigenen Raum konstruieren kann. Ausgestattet ist der Raum mit einer Ansammlung von Requisiten, Staffagen und Gegenständen, die zur Gestaltung eines Raumes geeignet sind.
Die Performerin hat die Rolle der Interviewerin und Leiterin und befragt die Besucher zu ihren Vorstellungen von Raum. Verschiedene Fotos von Räumen stehen für die Projektion zur Auswahl, ebenso wie Requisiten, die von der Performerin nach Anweisung des Besuchers, oder aus ihrer Interpretation heraus, auswählt und arrangiert werden.
Es entsteht so ein ganz persönlicher Raum des partizipierenden Besuchers, resultierend aus dem speziellen Moment der Performance und ihren Interaktionen.
Es gibt neben der unmittelbaren Teilnahme die Möglichkeit, sich die Ergebnisse im Webforum zu betrachten, zu analysieren und zu kommentieren. Teilnehmer können selbst Foren zu Themen eröffnen, sich zu Gruppen zusammenfinden, Interessensgemeinschaften bilden. Sie können Inhalte diskutieren und Erfahrungen veröffentlichen, Kontakte austauschen und sich vernetzen.
„Instituts“ – Gründung
Der Grundstein, der gelegt wird, existiert nicht, auch das Institut hat keinen Ort. Der offene, zu bildende, flüchtige Raum ist zugleich Thema und Plattform des „Instituts“ und wird durch die Performance aktiviert. Die Aktion ist die erste Phase der Gründung eines Instituts, dass keine Institution ist, sondern sich über die Beteiligung einzelner Akteure konstituiert – von der Basis ausgehend, nicht autoritär oder elitär. Es schafft den Raum, über Raum zu forschen. Es untersucht kulturelle Bedingungen auf der Schnittstelle zwischen den Disziplinen, agiert auf den Ebenen von Wissenschaft und Kunst. Langfristiges Ziel des „Institutes“ ist es, Aktionen zu ermöglichen, die Kunst und Wissenschaft zu diesem Thema miteinander vernetzten und bereichern. Dies soll in Form von Vorträgen, Ausstellung und gemeinsamen Publikationen umgesetzt werden.
Hintergrund
Raum wird hier begriffen als eine gesellschaftliche Dimension im Sinne eines psychischen (mental mapping), physischen und diskursiven kulturellen Raums. Er ist das Koordinatensystem für Positionierung, für Aktion, für unser Leben. Die Verortung in ein Gefüge, in einen überschaubaren Raum, ist Basis für Orientierung und zielgerichtete Bewegung.
Raum ist ein Ort, der definiert werden muss. Der Ort ist die Ordnung, nach der Elemente in Koexistenzbeziehungen aufgeteilt sind. Er ist damit eine statische Größe, der Raum ist die zeitliche, kulturelle Dimension, die den Ort definiert. Demnach hat jede Kultur ihren eigenen Raum, den sie für sich bestimmt, erschließt und wahrnimmt.
Die Zeit, die vergeht, manifestiert sich in Erinnerungen, Erinnerungen generieren Geschichte, die als Bestandteil jeder kulturellen Identität lebt und prägt. Kulturelle Identitätsbildung erfährt eine neue Herausforderung, wenn der kulturelle Raum nicht mehr regional abgrenzbar ist.
